• Pferdehaltung
  • Fohlengeburt erkennen und begleiten - Phasen und Notfälle

Fohlengeburt erkennen und begleiten - Phasen und Notfälle

Heinz-Joachim Brinkmann • 12. Oktober 2026
Ein frisch geborenes Fohlen liegt im Stroh, die Mutterstute schnuppert liebevoll. Ein Moment der Fohlen Geburt.

Inhaltsverzeichnis

Wenn die Stute nachts unruhig wird, schwitzt und sich immer wieder hinlegt, beginnt für viele Halter der spannendste Teil der Pferdehaltung. Eine normale Fohlengeburt verläuft meist schnell, doch gerade deshalb müssen die wichtigsten Anzeichen, Zeitgrenzen und Notfallsituationen bekannt sein. Ich zeige, wie sich die drei Geburtsphasen unterscheiden, was Sie vorbereiten sollten und wann unverzüglich der Tierarzt gerufen werden muss.

Die wichtigsten Zeitgrenzen rund um die Fohlengeburt

  • Geburtsphase eins dauert meist ein bis vier Stunden und wirkt oft wie eine leichte Kolik.
  • Nach dem Blasensprung sollte das Fohlen innerhalb von etwa 15 bis 30 Minuten geboren werden.
  • Weiße Fruchthülle und zwei Vorderbeine mit dem Kopf voran sprechen für eine normale Lage.
  • Aufstehen, Trinken, Nachgeburt lassen sich mit der 1-2-3-Regel kontrollieren.
  • Rote Fruchthülle, starke Blutung oder Stillstand sind Notfälle und verlangen sofortige tierärztliche Hilfe.

Ein braunes Fohlen läuft stolz neben seiner Mutter. Die Fohlengeburt war erfolgreich, und beide Pferde genießen den Spaziergang.

Woran sich die bevorstehende Geburt erkennen lässt

Die meisten Stuten zeigen in den Stunden vor der Geburt eine Mischung aus Unruhe, häufigem Schweifheben, Schwitzen an Flanken und Hals sowie wiederholtem Hinlegen und Aufstehen. Diese Anzeichen können einer Kolik ähneln. Ich beobachte deshalb nicht nur das Verhalten, sondern notiere Uhrzeit, Häufigkeit und Stärke der Veränderungen.

Ein deutlich gefülltes Euter, gespannte Zitzen und sogenannte Harztropfen an den Zitzen können auf die bevorstehende Geburt hinweisen. Bei manchen Stuten erscheinen sie 6 bis 48 Stunden vorher, bei anderen fehlen sie fast vollständig. Auch Milchproben oder Geburtsmelder können helfen, ersetzen aber keine persönliche Kontrolle.

Für die Geburtsüberwachung sollte die Stute in einer ruhigen, gut eingestreuten Abfohlbox stehen. Empfehlenswert ist eine Fläche von mindestens 4,3 x 4,3 Metern, damit sich die Stute hinlegen und das Fohlen sicher bewegen kann. Kurzes Stroh ist in dieser Phase meist praktischer als feine Späne, die in Nüstern oder Maul gelangen können.

Alles, was die Stute unnötig aufregt, kann den Ablauf stören. Deshalb halte ich die Beleuchtung gedämpft, begrenze die Zahl der Personen und lege saubere Handtücher, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, eine Taschenlampe und die Telefonnummer des Tierarztes bereit. Ein schriftliches Geburtsprotokoll ist wichtiger, als viele Halter zunächst denken.

Die drei Phasen der Geburt verständlich erklärt

Erste Phase mit beginnenden Wehen

In der ersten Phase zieht sich die Gebärmutter zunehmend zusammen und das Fohlen wird in Richtung Geburtskanal bewegt. Die Stute wirkt unruhig, scharrt, schaut zur Flanke oder schwitzt. Manche Tiere legen sich mehrfach hin, stehen wieder auf oder setzen kleine Mengen Kot und Urin ab.

Diese Phase dauert häufig eine bis vier Stunden, kann aber auch deutlich kürzer oder länger sein. Solange die Stute ansprechbar bleibt und sich die Situation stetig weiterentwickelt, beobachte ich vor allem ruhig aus der Distanz. Ein vorschnelles Eingreifen oder häufiges Betreten der Box bringt selten Vorteile.

Am Ende dieser Phase springt normalerweise die äußere Fruchthülle. Das austretende Fruchtwasser ist meist gelblich bis bernsteinfarben. Dieser sogenannte Blasensprung markiert den Übergang zur eigentlichen Austreibungsphase.

Zweite Phase mit der Geburt des Fohlens

Nun wird es ernst, denn diese Phase verläuft bei Pferden meist sehr schnell. Die Stute bekommt kräftige Presswehen, legt sich häufig auf die Seite und das Fohlen wird durch die Muskelarbeit der Gebärmutter und der Bauchmuskulatur herausgedrückt.

Normal ist eine Lage mit zwei Vorderbeinen und dem Kopf dazwischen. Zuerst sieht man meist die hellen Hufe, danach Nase und Kopf. Das Fohlen liegt dabei häufig noch in der durchscheinenden, weißlich-grauen Fruchthülle.

Nach dem Blasensprung sollte die Geburt im Regelfall innerhalb von 15 bis 30 Minuten abgeschlossen sein. Wenn starke Wehen einsetzen, aber nach 10 bis 15 Minuten keine normale Entwicklung zu erkennen ist, rufe ich den Tierarzt. Bei einer schwierigen Lage kann jeder unnötige Zeitverlust die Sauerstoffversorgung des Fohlens gefährden.

Lesen Sie auch: Mauke beim Pferd - Ursachen, Symptome & richtiger Plan

Dritte Phase mit der Nachgeburt

Mit der Geburt des Fohlens ist der Vorgang noch nicht beendet. In der dritten Phase löst sich die Plazenta, also der Mutterkuchen, von der Gebärmutterwand und wird als Nachgeburt ausgestoßen. Leichte Nachwehen und ein gewisses Unwohlsein der Stute sind dabei normal.

Die Nachgeburt sollte meist innerhalb von drei Stunden vollständig abgegangen sein. Ich breite sie anschließend vorsichtig aus und prüfe, ob sie vollständig ist. Fehlende Teile können in der Gebärmutter zurückbleiben und zu Entzündung, Fieber oder sogar Hufrehe führen.

Hängt die Nachgeburt heraus, darf sie niemals kräftig herausgezogen werden. Bei Bedarf kann man sie oberhalb der Sprunggelenke locker zusammenbinden, damit die Stute oder das Fohlen nicht darauf treten. Die weitere Behandlung, etwa mit Medikamenten, gehört in die Hände des Tierarztes.

Was unmittelbar nach der Geburt zählt

Direkt nach der Geburt sollte das Fohlen selbstständig atmen. Die Fruchthülle öffnet sich normalerweise durch die Bewegungen des Fohlens oder beim Aufstehen der Stute. Bleibt sie über Nase und Maul liegen, muss sie sofort mit den Händen geöffnet werden, damit das Fohlen nicht erstickt.

Die Nabelschnur reißt meist von selbst, wenn die Stute aufsteht oder sich das Fohlen bewegt. Ich würde sie nicht vorschnell durchschneiden. Wenn die Nabelstelle anschließend blutet, ungewöhnlich dick wird oder ständig feucht bleibt, sollte der Tierarzt die Stelle kontrollieren.

Die ersten Lebensstunden lassen sich mit einer einfachen Kontrollregel im Blick behalten. Das Fohlen sollte sich ungefähr innerhalb der ersten Stunde aufrichten, spätestens nach etwa zwei Stunden sicher stehen und innerhalb von zwei bis drei Stunden trinken. Entscheidend ist nicht nur die Uhrzeit, sondern auch, ob es kräftig wirkt und zielgerichtet nach dem Euter sucht.

Die erste Milch, das Kolostrum, liefert lebenswichtige Antikörper. Die Aufnahme ist in den ersten Stunden besonders wichtig, weil die Darmwand diese Schutzstoffe nur begrenzte Zeit ausreichend durchlässt. Wenn das Fohlen nicht saugt, schwach wirkt oder die Stute das Trinken nicht zulässt, darf man nicht einfach bis zum nächsten Morgen warten.

In vielen Betrieben wird der Nabelrest nach tierärztlicher Empfehlung mit einer geeigneten Lösung behandelt, beispielsweise mit 0,5-prozentigem Chlorhexidin oder 1-prozentigem Povidon-Iod. Produktvorgaben und regionale tierärztliche Empfehlungen sollten dabei beachtet werden. Ein vollständiger Gesundheitscheck von Stute, Fohlen und Nachgeburt innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden ist besonders bei Erstgeburten oder Risikostuten sinnvoll.

Wann aus einer normalen Geburt ein Notfall wird

Die wichtigste Regel lautet für mich: Bei der Geburt eines Fohlens ist ein ungewöhnlicher Verlauf immer wichtiger als ein starrer Zeitplan. Trotzdem gibt es klare Warnzeichen, bei denen nicht weiter abgewartet werden sollte.

  • Nach dem Blasensprung erscheinen keine Vorderbeine oder kein Kopf.
  • Es ist nur ein Vorderbein zu sehen oder die Hufe zeigen in eine ungewöhnliche Richtung.
  • Die Stute presst kräftig, aber nach 10 bis 15 Minuten kommt das Fohlen nicht weiter.
  • Die Geburt ist nach etwa 20 bis 30 Minuten noch nicht abgeschlossen.
  • Eine rote, samtartige Fruchthülle erscheint vor dem Fohlen.
  • Die Stute blutet stark, kollabiert oder zeigt heftige, anhaltende Kolikzeichen.
  • Das Fohlen atmet nicht, bleibt schlaff oder kann sich nicht aufrichten.
  • Die Nachgeburt ist nach drei Stunden noch nicht vollständig abgegangen.

Eine rote Fruchthülle ist besonders kritisch. Sie zeigt, dass sich die Plazenta vorzeitig gelöst haben kann. In diesem Fall muss die Hülle unverzüglich geöffnet und der Tierarzt sofort gerufen werden, da das Fohlen sonst sehr schnell unter Sauerstoffmangel leiden kann.

Bei einer falschen Lage sollte nur eingreifen, wer darin wirklich geübt ist und sauber arbeiten kann. Niemals sollte man kräftig am Fohlen ziehen, an einem einzelnen Bein reißen oder die Stute ohne tierärztliche Anleitung mit Medikamenten behandeln. Ein ruhiger Anruf mit genauen Angaben zu Uhrzeit, sichtbaren Körperteilen und Zustand der Stute hilft dem Tierarzt am meisten.

Die häufigsten Fehler bei der Fohlengeburt

Ein verbreiteter Fehler ist, jede Unruhe sofort als Geburtsbeginn zu bewerten. Manche Stuten zeigen bereits Tage vorher deutliche Veränderungen, andere gebären nahezu ohne sichtbare Vorzeichen. Die Beobachtung sollte deshalb regelmäßig erfolgen, ohne die Stute ständig zu stören.

Ebenso problematisch ist es, die Fruchthülle vorsorglich zu zerreißen oder die Nabelschnur direkt zu durchtrennen. Beides ist normalerweise nicht nötig. Die Ausnahme ist eine Fruchthülle, die Nase und Maul bedeckt, oder eine rote Fruchthülle bei vorzeitiger Plazentaablösung.

Auch die Nachgeburt wird oft unterschätzt. Sie einfach herunterhängen zu lassen, kräftig zu ziehen oder nicht auf Vollständigkeit zu prüfen, kann schwere Folgen haben. Ich markiere deshalb die Uhrzeit der Geburt und kontrolliere die Nachgeburt erst, wenn sie vollständig abgegangen ist, ohne daran zu zerren.

Der Wunsch, das Fohlen sofort trocken zu rubbeln oder zu füttern, ist verständlich. Meist braucht die Stute jedoch zunächst einige ruhige Minuten, um Kontakt aufzunehmen und das Fohlen abzulecken. Eingreifen sollte man dort, wo Atmung, Sicherheit oder ausreichende Milchaufnahme gefährdet sind, nicht aus reiner Ungeduld.

Eine einfache Checkliste für die ersten Stunden

Nach der Geburt notiere ich vier Dinge: den Zeitpunkt des Blasensprungs, die vollständige Geburt, das erste Aufstehen des Fohlens und das erste Trinken. Zusätzlich kontrolliere ich, ob die Stute ruhig atmet, ob das Fohlen warme Ohren und ein kräftiges Verhalten zeigt und ob die Nachgeburt vollständig abgegangen ist.

  • Fruchthülle von Nase und Maul entfernt, falls nötig
  • Atmung und Bewegungen des Fohlens kontrolliert
  • Nabelbruchstelle auf Blutung und Schwellung geprüft
  • Erstes Aufstehen und Trinken zeitlich dokumentiert
  • Stute auf starke Blutung, Fieber oder anhaltende Kolikzeichen beobachtet
  • Nachgeburt auf vollständigen Abgang geprüft
  • Tierarzt bei Abweichungen oder Unsicherheit kontaktiert

Die 1-2-3-Regel ist dabei eine gute Orientierung, aber kein Ersatz für den Blick auf das einzelne Tier. Ein kräftiges Fohlen kann etwas länger brauchen, während ein schwaches Fohlen schon früher Hilfe benötigt. Aus meiner Sicht ist die Kombination aus Zeitprotokoll, ruhiger Beobachtung und einem vorab abgestimmten Notfallplan die sicherste Vorbereitung.

Wenn aus der Geburt ein guter Start ins Leben werden soll

Eine normale Fohlengeburt dauert oft nur wenige Minuten, doch die Vorbereitung beginnt lange vorher. Eine saubere Abfohlbox, verlässliche Überwachung und ein erreichbarer Tierarzt schaffen die besten Voraussetzungen für Stute und Fohlen.

Wer die drei Geburtsphasen kennt, erkennt Veränderungen früher und kann im richtigen Moment handeln. Besonders wichtig sind die kurzen Zeitfenster nach dem Blasensprung, beim ersten Trinken und beim Abgang der Nachgeburt. Genau dort entscheidet sich häufig, ob aus einer aufregenden Nacht ein gesunder Start in das Leben wird.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Typisch sind Unruhe, häufiges Schweifheben, Schwitzen, wiederholtes Hinlegen und Aufstehen sowie ein gefülltes Euter. Harztropfen an den Zitzen können 6 bis 48 Stunden vorher auftreten, fehlen bei manchen Stuten aber vollständig.

Nach dem Blasensprung sollte die Geburt normalerweise innerhalb von 15 bis 30 Minuten abgeschlossen sein. Setzen starke Wehen ein, ohne dass sich nach 10 bis 15 Minuten eine normale Entwicklung zeigt, sollte sofort der Tierarzt gerufen werden.

Das Fohlen sollte sich ungefähr innerhalb der ersten Stunde aufrichten, spätestens nach etwa zwei Stunden sicher stehen und innerhalb von zwei bis drei Stunden trinken. Wirkt es schwach oder saugt nicht, darf nicht bis zum nächsten Morgen gewartet werden.

Ein Notfall liegt unter anderem vor, wenn keine Vorderbeine oder kein Kopf erscheinen, nur ein Bein sichtbar ist, die Geburt trotz starker Wehen nicht vorankommt oder eine rote Fruchthülle austritt. Auch starke Blutungen, Atemprobleme des Fohlens oder eine nach drei Stunden nicht vollständig abgegangene Nachgeburt erfordern sofortige tierärztliche Hilfe.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags

fohlengeburt
geburtsphasen
fruchthülle
kolostrum
nachgeburt
Autor Heinz-Joachim Brinkmann
Heinz-Joachim Brinkmann
Mein Name ist Heinz-Joachim Brinkmann und ich bringe 10 Jahre Erfahrung in der modernen Landwirtschaft, im Gartenbau und in der Direktvermarktung mit. Schon früh entwickelte ich ein Interesse für nachhaltige Anbaumethoden und die Verbindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Diese Leidenschaft motiviert mich, über die Herausforderungen und Chancen in der Landwirtschaft zu schreiben und Wissen zu teilen, das sowohl informativ als auch verständlich ist. In meinen Artikeln konzentriere ich mich darauf, komplexe Themen zu vereinfachen und aktuelle Trends im Gartenbau und in der Direktvermarktung zu beleuchten. Dabei lege ich großen Wert auf die Überprüfung von Quellen und den Vergleich von Informationen, um sicherzustellen, dass meine Leser stets präzise und nützliche Inhalte erhalten. Mein Ziel ist es, die Leser zu ermutigen, sich aktiv mit den Themen der modernen Landwirtschaft auseinanderzusetzen und ihnen dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Beitrag teilen

Kommentar schreiben