Wicken können im Ackerbau sehr unterschiedlich bewertet werden: Als Zwischenfrucht sind sie nützlich, als Begleitpflanze in Kulturen dagegen oft ein echtes Problem. Genau darum geht es hier: um Wicken als Unkraut in Getreide und anderen Beständen, um ihre Erkennung, ihre Schadwirkung und die Maßnahmen, die im deutschen Pflanzenbau tatsächlich weiterhelfen. Ich gehe dabei bewusst praxisnah vor, damit du nicht nur die Pflanze kennst, sondern auch weißt, wann du eingreifen solltest.
Die wichtigsten Punkte zu Wicken im Pflanzenbau
- Am häufigsten problematisch ist die Rauhaarige Wicke, vor allem in Getreide und auf leichten Böden.
- Ein Befall fällt oft nach feuchtem Frühjahr auf und kann sich schnell über mehrere Jahre halten, weil Samen im Boden lange keimfähig bleiben.
- Der größte Hebel ist Vorbeugung über Fruchtfolge, Saattermin, Sortenwahl und eine saubere Bodenbearbeitung.
- Mechanische Maßnahmen wirken nur früh und passen besser zu kleinen, jungen Pflanzen als zu bereits rankenden Beständen.
- Im konventionellen Anbau sind gezielte, zugelassene Spätbehandlungen möglich, aber nur innerhalb der Kultur- und Stadiengrenzen.
- Wer Samenbildung zulässt, verschiebt das Problem ins nächste Jahr und macht die Bekämpfung deutlich teurer.

Woran du Wicken im Bestand erkennst
In der Praxis meine ich mit diesem Thema vor allem die Rauhaarige Wicke beziehungsweise Acker-Wicke. Sie ist ein einjähriges Samenbeikraut, klettert mit Ranken und nutzt Kulturpflanzen als Stütze, statt sich wie ein klassisches Rosettenunkraut flach über den Boden zu legen. Gerade deshalb fällt sie oft erst auf, wenn der Bestand schon unruhig wirkt und die erste Ernteorganisation ins Stocken gerät.
| Art | Typischer Standort | Woran ich sie im Feld erkenne | Praxisrelevanz |
|---|---|---|---|
| Rauhaarige Wicke | Vor allem Getreide auf leichten, sandigen Böden | Gefiederte Blätter mit Ranke, zarte vierkantige Stängel, kleine weiße Blüten | Häufigstes Problembeikraut in diesem Zusammenhang |
| Saat- oder Futterwicke | Eher als Kulturpflanze, Mischungsbestand oder Ausfallpflanze | Kräftigerer Wuchs, ebenfalls rankend und gefiedert | Wichtig bei Gemengen, Ausfall und Verwechslungen |
| Weitere Vicia-Arten | Randbereiche, Brachen, extensivere Flächen | Ähnliche Wuchsform, aber meist außerhalb des eigentlichen Ackerkerngeschäfts | Vor allem relevant, wenn Ränder und Säume als Samenquelle dienen |
Für die sichere Bestimmung schaue ich zuerst auf die Blätter: Wicken haben gefiederte Laubblätter und am Ende eine Ranke. Dazu kommen die dünnen, oft etwas schlaffen Stängel und der kletternde Wuchs. Besonders wichtig ist der Zeitpunkt, denn junge Pflanzen sind noch gut zu regulieren, während rankende Bestände deutlich schwieriger werden. Wenn du die Art sauber erkannt hast, ist der nächste Schritt die Frage, warum sie sich gerade auf diesem Schlag so wohlfühlt.
Warum ein kleiner Befall schnell teuer wird
Ich bewerte Wickenbefall nicht als optisches Randthema, sondern als Wettbewerbsproblem. Die Pflanzen nehmen Licht, Wasser und Nährstoffe weg, drücken in lückige Bestände hinein und erschweren die Abreife. Besonders in Getreide kann das die Ernte deutlich unruhiger machen, weil die rankenden Triebe das Mähwerk und den Gutfluss zusätzlich beschäftigen.
Der Schaden entsteht dabei auf mehreren Ebenen:
- Ertragsverlust: In schwächeren Beständen kann die Konkurrenz schnell messbar werden.
- Erntebehinderung: Rankende Wicke macht den Drusch zäher und kann den Arbeitsfluss stören.
- Qualitätsrisiko: Fremdbesatz und ungleichmäßige Abreife verschlechtern die Erntequalität.
- Folgeproblem: Wer Samenbildung zulässt, baut sich eine langlebige Samenbank auf.
Gerade das letzte Detail wird oft unterschätzt: Die Samen können im Boden mehrere Jahre überdauern, und nach feuchtem Frühjahr tritt die Wicke in einigen Beständen massenhaft auf. Aus einem überschaubaren Befall wird dann schnell eine dauerhafte Baustelle. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die Pflanze zu bekämpfen, sondern die Bedingungen zu ändern, unter denen sie überhaupt hochkommt.
So beugst du Wickendruck in der Fruchtfolge vor
Ich setze bei diesem Problem immer zuerst an der Fruchtfolge an. Wenn der Schlag, die Saatzeit und die Bestandesführung günstig für die Wicke sind, bringt jede spätere Einzelmaßnahme deutlich weniger. Vorbeugung ist hier kein Theoriebaustein, sondern die günstigste und stabilste Form des Pflanzenschutzes.
Besonders wirksam sind diese Punkte:
- Blatt- und Halmfrüchte wechseln: So brichst du den Rhythmus, den Samenbeikräuter gern ausnutzen.
- Wintergetreide nicht unnötig früh säen: Frühe Saaten geben Herbstkeimern mehr Vorsprung.
- Konkurrenzstarke, langstrohige Sorten wählen: Ein dichter, höherer Bestand beschattet die Wicke besser.
- Sommerungen gezielt einbauen: Das kann den Auflauf der Wicken stören und mechanische Eingriffe erleichtern.
- Kleegras oder passende Zwischenfrüchte nutzen: Offene Bodenphasen werden kürzer, das senkt den Druck.
- Grundbodenbearbeitung anpassen: Pfluglos nur dort, wo die Vorfrucht und der Besatz das zulassen.
Ich sehe in der Beratung außerdem oft den Fehler, Stickstoffversorgung als alleinige Lösung zu überschätzen. Eine kräftigere Kultur kann zwar besser konkurrieren, aber zu viel Nährstoffdruck verschiebt das Problem häufig nur auf andere Beikräuter. Die Kunst liegt nicht in einer einzelnen Maßnahme, sondern in einem stabilen System. Wenn der Befall trotzdem schon sichtbar ist, braucht es einen klaren Eingriff im laufenden Bestand.
Welche Maßnahmen im laufenden Bestand wirklich helfen
Bei laufendem Befall entscheidet der richtige Zeitpunkt. Wicke ist im Jugendstadium noch empfindlich, später aber zäh. Mechanische Verfahren funktionieren deshalb nur dann gut, wenn Boden, Witterung und Entwicklungsstadium zusammenpassen. Im Getreide heißt das meistens: früh ran, nicht warten, bis die Pflanze schon rankt und Samen ansetzt.
| Maßnahme | Wann sie sinnvoll ist | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Striegeln oder Eggen | Bei jungen Pflanzen und tragfähigem Boden | Wirkt früh gut gegen Keimlinge | Deutlich schwächer, wenn die Wicke schon rankt |
| Hacken oder Häufeln | Vor allem in Reihenkulturen | Präzise und mechanisch sehr effektiv | Im dichten Getreide nur eingeschränkt nutzbar |
| Gezielte Herbizidbehandlung | Je nach Kultur und Zulassung in der Schossphase | Kann einen späten Befall noch auffangen | Nur innerhalb der aktuellen Zulassung und des passenden Stadiums |
| Nachernte- und Stoppelmanagement | Wenn Restbesatz und Folgesamenbank reduziert werden sollen | Hilft, die Folgegeneration zu bremsen | Ersetzt keine saubere Vorbeugung im Hauptbestand |
Im konventionellen Getreidebau sind späte, gezielte Blattherbizide je nach Kultur und Stadium eine Option; in der Praxis reicht das Zulassungsfenster oft bis in die Schossphase, einzelne Lösungen gehen weiter. Ich rate aber dazu, nie auf den Kalender zu schauen, sondern auf die Pflanze: Wenn die Wicke schon deutlich rankt oder bereits Samen bildet, ist der Aufwand größer und der Erfolg unsicherer. Im Ökolandbau bleibt die Strategie enger und damit anspruchsvoller, dort zählen Striegeln, Standortwahl und Fruchtfolge noch stärker. Der nächste Stolperstein ist meist nicht die Methode selbst, sondern ihre falsche Anwendung.
Die häufigsten Fehler, die den Samenbesatz hoch halten
Die meisten Probleme entstehen nicht durch fehlende Technik, sondern durch zu spätes oder inkonsequentes Handeln. Ich sehe immer wieder dieselben Muster, und genau die lassen sich gut vermeiden.
- Zu spät kontrollieren: Wer erst eingreift, wenn die Wicken schon ranken, verschenkt Wirkung.
- Feldränder ignorieren: Dort startet der Befall oft früher und breitet sich von dort aus ein.
- Samenbildung tolerieren: Ein einziger Durchwuchs kann das Problem im nächsten Jahr spürbar verstärken.
- Nur auf eine Maßnahme setzen: Eine einzelne Strategie hält den Druck selten dauerhaft niedrig.
- Erntetechnik nicht reinigen: Verschleppung über Maschinen ist in der Praxis ein unterschätzter Faktor.
- Fruchtfolge nicht anpassen: Wenn derselbe Schlag immer ähnlich behandelt wird, kommt die Wicke oft wieder.
Besonders wichtig ist für mich der Blick auf die Hotspots. Wer die Nester im Schlag markiert, kann im Folgejahr gezielter arbeiten und spart sich viele Umwege. Damit ist der Befall nicht automatisch verschwunden, aber er wird steuerbar statt chronisch. Genau dort setze ich im letzten Schritt an.
Was ich vor der nächsten Aussaat noch prüfen würde
Wenn ich einen Schlag mit Wickendruck bewerte, schaue ich nicht nur auf den aktuellen Bestand, sondern auf das Muster dahinter. Ist der Befall an bestimmten Rändern stärker? Gab es nach feuchtem Frühjahr einen Schub? War die Saat zu früh, der Bestand zu locker oder die Kultur zu wenig konkurrenzstark? Aus diesen Antworten ergibt sich fast immer der nächste sinnvolle Schritt.
Für die Praxis heißt das ganz schlicht: Befallsherde kartieren, Saattermin und Sortenwahl anpassen, Bodenbearbeitung nicht aus Gewohnheit wiederholen und junge Pflanzen beim ersten passenden Fenster treffen. Wer so arbeitet, reduziert nicht nur den aktuellen Besatz, sondern vor allem die Samenbank im Boden. Genau das ist der Unterschied zwischen einem kurzen Ärgernis und einem Problem, das sich über Jahre hält.
