Die Direktvermarktung von PV-Strom ist 2026 kein Thema für eine einzige Zahl, sondern für ein ganzes Preissystem: Marktwert, Marktprämie, Vermarktungsgebühr und die Regeln bei negativen Strompreisen greifen ineinander. Wer den Erlös richtig einschätzen will, muss deshalb mehr sehen als nur den Börsenpreis. Ich zeige hier, welche Werte aktuell gelten, wie man sie liest und wann das Modell für Betreiber in Deutschland wirtschaftlich sinnvoll ist.
Die wichtigsten Zahlen zur PV-Direktvermarktung im Überblick
- Der zuletzt veröffentlichte Monatsmarktwert Solar lag im Mai 2026 bei 3,163 ct/kWh.
- Im April 2026 fiel der Wert zeitweise auf 1,317 ct/kWh, im März 2026 lag er bei 5,455 ct/kWh.
- Der Jahresmarktwert Solar 2025 lag bei 6,170 ct/kWh und ist als grobe Orientierung nützlich, aber kein fester Vertragswert.
- Für Dachanlagen nennt die Bundesnetzagentur ab 1. Februar 2026 bei 10 kW einen Fördersatz von 7,78 ct/kWh in der Teileinspeisung und 8,18 ct/kWh als Wert für die Marktprämie.
- Die Direktvermarktung lohnt sich vor allem dann, wenn Gebühr, Messkosten und Preisregeln sauber kalkuliert sind.
Welcher Preis aktuell realistisch ist
Nach den von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlichten Monatswerten lag der Solar-Marktwert im Mai 2026 bei 3,163 ct/kWh. Das ist deutlich weniger als im März und weit unter dem Niveau, das viele Betreiber aus den Wintermonaten im Kopf haben. Genau deshalb wäre es ein Fehler, den Preis in der PV-Direktvermarktung als festen Cent-Wert zu behandeln.
Die Schwankungen 2026 sind groß genug, um die Wirtschaftlichkeit spürbar zu verschieben. Für die Einordnung helfen diese Werte:
| Monat oder Referenz | Solar-Marktwert | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| Mai 2026 | 3,163 ct/kWh | Aktueller letzter Monatswert, also die beste echte Orientierung für den Moment. |
| April 2026 | 1,317 ct/kWh | Sehr schwacher Monat, der zeigt, wie stark PV mittags auf den Preis drückt. |
| März 2026 | 5,455 ct/kWh | Schon deutlich besser, aber immer noch kein stabiler Fixpreis. |
| Jahresmarktwert 2025 | 6,170 ct/kWh | Grobe Jahresorientierung, sinnvoll für Vergleiche, aber nicht für eine einzelne Monatsentscheidung. |
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht für neue Dachanlagen ab 1. Februar 2026 außerdem die relevanten EEG-Werte, die ich bei der Rechnung immer mit dem Marktwert zusammen lese. Für eine typische Anlage auf einem Gebäude liegen sie bei 7,78 ct/kWh Einspeisevergütung für 10 kW in der Teileinspeisung und bei 8,18 ct/kWh als anzulegender Wert für die Marktprämie. Bei 40 kW sind es 6,73 ct/kWh beziehungsweise 7,13 ct/kWh, bei 100 kW 5,50 ct/kWh beziehungsweise 5,90 ct/kWh.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht nur der Börsenpreis, sondern die Frage, welcher Wert für deine Anlage überhaupt gilt. Von dort aus lässt sich der Erlös sauber aufdröseln.
So setzt sich der Erlös zusammen
Ich rechne die Direktvermarktung immer in drei Schritten:
- Marktprämie = anzulegender Wert minus Monatsmarktwert, solange die Differenz positiv ist.
- Gesamterlös = Marktwert plus Marktprämie, also im Regelfall ungefähr der anzulegende Wert.
- Nettoerlös = Gesamterlös minus Vermarktungsgebühr und Messkosten.
Das heißt: Bei geförderter Direktvermarktung ist der Strom nicht einfach nur „zum Börsenpreis“ verkauft. Der Marktwert kommt aus dem Markt, die Marktprämie gleicht die Lücke zum EEG-Wert aus. Wenn der Marktwert über dem anzulegenden Wert liegt, entfällt die Marktprämie für diesen Zeitraum. Dann bleibt der höhere Markterlös beim Betreiber, aber auch das ist kein Dauerzustand, sondern eine Marktsituation.
| Beispiel für 10 kW Dachanlage im Mai 2026 | Wert | Kommentar |
|---|---|---|
| Monatsmarktwert Solar | 3,163 ct/kWh | Das ist der aktuelle Marktbezug. |
| Anzulegender Wert | 8,18 ct/kWh | Das ist die Förderbasis für die Marktprämie. |
| Rechnerische Marktprämie | 5,017 ct/kWh | 8,18 minus 3,163. |
| Bruttoerlös vor Gebühren | 8,18 ct/kWh | Genau hier liegt der eigentliche Vergleichswert. |
| Typische Vermarktungsgebühr | 0,2 bis 0,4 ct/kWh | Je nach Anbieter kommen oft noch fixe Monatskosten dazu. |
Für die Praxis heißt das: Bei einer kleinen Dachanlage ist der Unterschied zwischen Marktprämie und klassischer Einspeisevergütung oft kleiner, als viele erwarten. Sobald ein Direktvermarkter zusätzlich eine Fixgebühr verlangt, schrumpft der Vorteil schnell auf wenige Zehntelcent oder verschwindet ganz. Genau deshalb schaue ich nie nur auf die Bruttozahl im Vertragsangebot.
Welche Anlagen davon am meisten profitieren
Die wirtschaftliche Logik ist bei kleinen Dachanlagen eine andere als bei großen Hallendächern oder Freiflächenanlagen. Je mehr kWh du pro Jahr vermarktest, desto besser verteilen sich feste Kosten und desto eher trägt die Direktvermarktung ihren Mehraufwand. Das ist besonders relevant für landwirtschaftliche Dächer, weil dort oft viel Leistung auf einmal zusammenkommt.
| Anlagentyp | Typische Lage 2026 | Meine Einordnung |
|---|---|---|
| Bis 10 kW auf dem Wohnhaus | Eher einfache Einspeisevergütung, Marktprämie nur bei gutem Vertrag interessant | Ich würde hier die Einfachheit oft höher gewichten als den letzten Cent Ertrag. |
| 10 bis 40 kW auf Hof, Garage oder Scheune | Direktvermarktung wird realistischer, weil die Erzeugung schon spürbar ist | Hier lohnt sich ein genauer Vergleich von Gebühren und Messkosten. |
| 40 bis 100 kW auf Gewerbe- oder Agrardach | Professionelle Vermarktung ist meist sinnvoll, oft mit digitaler Messung | In diesem Bereich kippt die Rechnung eher zugunsten der Direktvermarktung. |
| Über 100 kW bis unter 200 kW | Die Zuordnung muss sauber geprüft werden, weil Direktvermarktung praktisch sehr relevant wird | Hier passieren die teuersten Fehler meist nicht beim Preis, sondern bei der falschen Abwicklung. |
| Über 1 MW oder Freifläche | Ausschreibungs- und Vermarktungslogik statt klassischer Kleinanlagenlogik | Da geht es fast immer um professionelle Direktvermarktung, nicht um kleine Standardtarife. |
Gerade bei landwirtschaftlichen Betrieben sehe ich einen klaren Unterschied: Ein großes Hallendach mit verlässlicher Einspeisung ist für Vermarkter interessant, eine kleine Anlage auf dem Wohnhaus dagegen weniger. Das ist kein Werturteil, sondern schlicht Skalierung. Feste Kosten wirken bei 8.000 oder 80.000 kWh pro Jahr eben sehr unterschiedlich.
Wann Direktvermarktung besser ist als die feste Einspeisevergütung
Ich würde die beiden Modelle nicht ideologisch gegeneinanderstellen. Die feste Einspeisevergütung ist ruhiger, die Direktvermarktung ist flexibler. Ob sie besser ist, hängt davon ab, wie viel Aufwand du akzeptierst und wie gut dein Vertrag gebaut ist.
| Kriterium | Direktvermarktung | Feste Einspeisevergütung |
|---|---|---|
| Erlössicherheit | Hängt von Marktwert, Prämie und Gebühren ab | Sehr hoch und leicht planbar |
| Preischance | Kann bei hohen Marktwerten besser laufen | Bleibt konstant, auch wenn der Markt höher steht |
| Verwaltungsaufwand | Höher, weil Vertrag, Messung und Abrechnung mitspielen | Niedriger, oft die bequemere Lösung |
| Technische Anforderungen | Oft Smart Meter, Fernmessung oder zusätzliche Prozesskette | Meist einfacher im Betrieb |
| Gut geeignet für | Größere Dächer, Agrarbetriebe, gewerbliche Anlagen | Kleine Anlagen, Betreiber mit wenig Zeit für Marktlogik |
Bei aktuellen Angeboten sehe ich häufig eine Kostenstruktur aus Fixbetrag pro Monat und variabler Gebühr pro kWh. Wenn dann noch Messkosten dazukommen, ist der vermeintliche Preisvorteil schnell weg. Für kleine Anlagen ist deshalb die Frage nicht nur „Was bringt der Markt?“, sondern vor allem „Was bleibt nach allen Abzügen übrig?“
Die Direktvermarktung ist aus meiner Sicht vor allem dann stark, wenn eine größere Anlage ohnehin professionell betrieben wird und der Anbieter wirklich transparent abrechnet. Wenn du dagegen nur einen kleinen Dachstromüberschuss hast, ist die feste Vergütung oft die nervenschonendere Wahl.
Worauf ich bei Vertrag, Messung und negativen Preisen achte
Wirklich teuer wird die Direktvermarktung selten über den Börsenpreis selbst, sondern über schlechte Vertragsdetails. Genau dort würde ich besonders streng prüfen:
- Preislogik: Wird mit Monatsmarktwert, Spotpreis, fixem PPA-Preis oder einer Mischform gerechnet?
- Gebühren: Gibt es nur einen Arbeitspreis oder zusätzlich eine monatliche Fixgebühr?
- Messung: Sind Smart Meter, Fernzugriff und die laufende Messstellenlogik im Preis enthalten oder extra?
- Negative Preise: Was passiert bei Stunden oder Viertelstunden mit negativem Börsenpreis?
- Laufzeit: Wie lange bindet dich der Vertrag, und wie schnell kommst du wieder heraus?
- Bilanzierung: Wer trägt Prognose- und Vermarktungsrisiken, und wer zahlt bei Abweichungen?
Ich würde außerdem immer prüfen, ob der Anbieter sauber zwischen geförderter und ungeförderter Direktvermarktung unterscheidet. Das klingt nach Feinheit, ist aber für die Erlöslogik zentral. Wer hier unsauber arbeitet, macht aus einer eigentlich brauchbaren Lösung schnell ein unnötig teures Paket.
Bei Anlagen mit Speicher kommt noch ein Punkt dazu: Der Strom aus dem Speicher muss bilanziell sauber eingeordnet sein. Für Betriebe mit Eigenverbrauch und Einspeisung ist das keine Nebensache, sondern eine Frage der späteren Abrechnung.
Was die aktuellen Zahlen für Hofdächer und Freiflächen 2026 wirklich bedeuten
Mein pragmatischer Befund für 2026 ist klar: Der reine Solar-Marktwert ist im Mai mit 3,163 ct/kWh zwar nicht katastrophal, aber weit von einem sicheren Wohlfühlwert entfernt. Wer auf ein einzelnes Preisfenster schaut, überschätzt schnell die Erträge. Wer dagegen Marktwert, Marktprämie und Gebühren zusammen denkt, kann die Direktvermarktung sauber einordnen.
- Bei kleinen Anlagen gewinnt oft die Einfachheit der Einspeisevergütung.
- Bei größeren Hof- oder Gewerbedächern wird die Direktvermarktung zunehmend vernünftig.
- Bei vertragsstarken Angeboten entscheidet nicht der Werbe-Cent, sondern der Nettoerlös nach allen Abzügen.
Für Betreiber in Deutschland würde ich deshalb nie nur den vermeintlichen Preis pro Kilowattstunde vergleichen. Erst der aktuelle Solar-Marktwert, dann der EEG-Wert der eigenen Anlage und danach die realen Vermarktungskosten ergeben ein belastbares Bild. Wenn am Ende nur ein kleiner Unterschied bleibt, ist in der Praxis meist das einfachere Modell das bessere.
