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Kartoffelkrankheiten erkennen: Flecken richtig deuten & handeln

Heinz-Joachim Brinkmann 10. März 2026
Nahaufnahme von Kartoffeln mit braunen Flecken, die auf Krankheiten hindeuten. Bilder von Kartoffeln mit Flecken und Krankheiten.

Inhaltsverzeichnis

Flecken auf Kartoffelblättern oder Knollen sind selten nur ein optisches Problem. Für mich sind sie vor allem ein Diagnosehinweis: Farbe, Rand, Lage an der Pflanze und das Wetter der letzten Tage verraten oft schon, ob Krautfäule, Alternaria, Schorf, Bakterienfäulen oder ein Virus dahintersteckt. In diesem Artikel ordne ich die wichtigsten Schadbilder ein, zeige die typischen Merkmale auf Blatt und Knolle und sage, was im Pflanzenschutz jetzt wirklich zählt.

Die wichtigsten Hinweise für eine sichere Diagnose

  • Feuchte, weich wirkende Blattflecken mit hellem Rand sprechen eher für Kraut- und Knollenfäule.
  • Trockene, scharf begrenzte Flecken mit konzentrischen Ringen deuten meist auf Alternaria hin.
  • Korkige, rissige Schalenflecken ohne Blattbild sind typisch für Kartoffelschorf.
  • Mosaik, Kräuselung und Zwergwuchs passen häufiger zu Viren als zu Pilzkrankheiten.
  • Matschige, übel riechende Knollen weisen auf eine bakterielle Nassfäule hin.
  • Am sichersten wird die Diagnose, wenn ich Blattoberseite, Blattunterseite, Stängelbasis und Schnittbild gemeinsam prüfe.

Nahaufnahme von Kartoffeln mit dunklen Flecken, die auf Krankheiten hindeuten.

Die häufigsten Schadbilder auf einen Blick

Wenn ich Kartoffeln beurteile, trenne ich zuerst nach Blattbild und Knollenbild. Genau dort liegen die wichtigsten Unterschiede, denn dieselbe Pflanze kann außen noch unauffällig wirken und in der Knolle bereits deutliche Schäden zeigen.

Krankheitsbild Typische Optik Wo ich zuerst suche Wichtigster Hinweis Erste Einordnung
Kraut- und Knollenfäule Wässrige, gelblich-grüne bis braune Flecken, oft mit fließendem Rand; bei Feuchtigkeit weißer Belag an der Blattunterseite Blätter, Stängel, später Knollen Feuchte Witterung, schneller Verlauf Akuter Pilzdruck, schnell handeln
Dürrfleckenkrankheit Runde bis eckige, trockene braune Flecken mit konzentrischen Ringen Vor allem ältere Blätter, auch Stängel Heißes Wetter plus einzelne Regenphasen Stress- und Hitzeverstärker, nicht mit Krautfäule verwechseln
Kartoffelschorf Korkige, rissige, braune oder netzartige Flecken auf der Schale Nur Knollen Keine Blattssymptome Qualitätsproblem, vor allem an der Schale
Schwarzbeinigkeit und Stängelnassfäule Vergilbte, welkende Pflanzen; dunkle, faulige Stängelbasis Stängelbasis, ganze Pflanze Pflanzen lassen sich oft leicht aus dem Boden ziehen Bakterieller Befall, nicht nur oberflächlich
Knollennassfäule Weiche, breiige Masse, modriger Geruch, dunkle Abgrenzung zum gesunden Gewebe Knollen, besonders im Lager Sauerstoffarm, feucht, verletzt Hohe Ausbreitungsgefahr im Lager
Viruskrankheiten Mosaik, Blattkräuselung, Einrollen, Zwergwuchs, teils Ringnekrosen an Knollen Blätter, später Knollen Oft scharf begrenzte, untypische Muster Blattläuse und Pflanzgut im Blick behalten

Diese erste Einordnung spart Zeit, weil sie die Richtung vorgibt: feucht und weich spricht eher für Pilze oder Bakterien, trocken und scharf begrenzt eher für Alternaria oder Schorf, und mosaikartige Muster passen oft zu Viren. Als Nächstes gehe ich die Blattbilder getrennt durch, weil dort die meisten Fehlinterpretationen entstehen.

So erkenne ich die Blattkrankheiten sicherer als auf einem Foto

Kraut- und Knollenfäule

Bei der Kraut- und Knollenfäule achte ich zuerst auf den Fleckrand. Die ersten Symptome sind meist kleine, graubraune, wasserdurchtränkte Blattflecken mit hellgrünem Saum; bei feuchter Witterung kann an der Blattunterseite ein weißlicher Pilzrasen sichtbar werden. Die LfL beschreibt dazu sehr passend, dass der Übergang zwischen gesundem und abgestorbenem Gewebe fließend ist, und genau das unterscheidet diese Krankheit von vielen anderen Blattflecken.

Praktisch wichtig ist die Witterung: Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 10 bis 23 Grad fördern den Erreger. Deshalb prüfe ich morgens nach Tau oder nach einer feuchten Nacht besonders genau. Wenn die Flecken nicht von den Blattadern begrenzt werden, sich rasch ausdehnen und später auch Stängel und Knollen erfassen, ist das ein klares Warnsignal.

Dürrfleckenkrankheit

Die Dürrfleckenkrankheit sieht auf den ersten Blick oft harmloser aus, ist aber im Bestand gut wiederzuerkennen. Typisch sind runde bis leicht eckige, trockene braune Flecken auf älteren Blättern, häufig mit konzentrischen Ringen. Diese ringförmige Zeichnung ist diagnostisch sehr wertvoll, weil sie im Feld schneller ins Auge springt als bei einem flüchtigen Foto.

Im Unterschied zur Krautfäule sind die Flecken scharf begrenzt und wirken trocken, nicht wässrig. Heißes Wetter mit wiederkehrender Feuchte, etwa durch Tau oder einzelne Regenschauer, macht Alternaria deutlich wahrscheinlicher. Gerade in stressigen Beständen mit geringer Blattmasse breitet sich der Befall schneller aus, weshalb ich ihn nicht nur als Randproblem behandle.

Virusmuster

Viruskrankheiten liefern ein anderes Bild: Mosaik, Kräuselung, Vergilbung, Zwergwuchs und manchmal strichartige Nekrosen. Bei PVY sind besonders braunschwarze, punkt- bis strichförmige Nekrosen auf der Blattunterseite auffällig; bei bestimmten Stämmen kommen zusätzlich Ringnekrosen an Knollen vor. Blattläuse sind dabei die wichtigsten Überträger, und bei starkem Befall wird aus einem einzelnen Fleckmuster schnell ein Bestandsproblem.

Wichtig ist für mich der Gesamteindruck: Viren machen meist keine nassen, fauligen Flecken, sondern eher ein unruhiges, scheckiges oder verkrüppeltes Blattbild. Wenn die Pflanze insgesamt schwach bleibt, die Blätter steif aufrichten oder sich tütenförmig einrollen, denke ich eher an Viren als an eine klassische Pilzfleckung. Von hier aus lohnt der Blick auf die Knollen, denn dort werden manche Schadbilder erst richtig eindeutig.

Was Knollenflecken wirklich bedeuten

Kartoffelschorf

Kartoffelschorf ist für mich das klassische Beispiel für ein Problem, das nur an der Knolle sichtbar wird. An der Schale bilden sich braune, korkige, rissige Flecken, die je nach Ausprägung flach aufliegen, warzig erhöht sein oder sich kraterförmig in die Knolle hineinziehen. ISIP weist zu Recht darauf hin, dass sich der Befall an den geernteten Knollen mit bloßem Auge sicher erkennen lässt, an der Pflanze selbst aber keine Symptome auftreten.

Für die Einordnung sind Standort und Bodenzustand wichtig. Ein höherer pH-Wert, trockene Bedingungen zu Beginn der Knollenbildung und ein eher luftiger Boden erhöhen das Risiko. Flachschorf, Buckelschorf und Tiefschorf sehen unterschiedlich aus, haben aber denselben Kern: Es geht um eine Schalenstörung, die die äußere Qualität und die Lagerfähigkeit mindert. Tieferer Schorf lässt sich oft nicht mehr sauber wegschälen.

Knollennassfäule

Ganz anders wirkt die Knollennassfäule: Hier wird das Gewebe breiig, weich und oft modrig riechend. Beim Aufschneiden sieht man meist eine deutliche Grenze zwischen gesundem und fauligem Gewebe, und im Lager kann sich das sehr schnell ausbreiten. Besonders kritisch sind feuchte, sauerstoffarme Bedingungen und verletzte Knollen, weil der Erreger dann deutlich leichter aktiv wird.

Für die Praxis heißt das: Schon eine kleine Verletzung während der Ernte oder Aufbereitung kann später im Lager zu einem echten Problem werden. Wenn die Schale die Knolle nur noch lose zusammenhält und der Geruch ins Muffige kippt, ist das kein Oberflächenschaden mehr, sondern ein klares Hygienethema im Lager.

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Schwarzbeinigkeit und Stängelnassfäule

Bei Schwarzbeinigkeit und Stängelnassfäule schaue ich auf die Stängelbasis. Befallene Pflanzen vergilben, welken oder rollen die oberen Blätter ein; frühe Infektionen bleiben klein und sterben ab, spätere betreffen oft einzelne Triebe. Typisch ist eine dunkelbraun bis schwarze, faulige Stängelbasis, und die Pflanze lässt sich häufig leicht aus dem Boden ziehen.

Es gibt auch das tückische Bild, bei dem äußerlich kaum etwas zu sehen ist, der Stängel innen aber schon schleimig zersetzt ist. Das ist der Grund, warum ich bei Verdacht nie nur von oben schaue. Sobald Stängel, Knolle und Lager zusammen betroffen sind, denke ich an einen bakteriellen Komplex, der sich deutlich schneller ausbreiten kann als viele klassische Blattflecken.

Diese Verwechslungen kosten im Feld am meisten Zeit

Die größte Fehlerquelle ist nicht die Krankheit selbst, sondern die Ähnlichkeit der Symptome. Deshalb sortiere ich ähnliche Bilder bewusst aus, bevor ich eine Maßnahme plane.

  • Sonnenbrand und Hitzestress wirken oft wie Krautfäule, bleiben aber meist trockener und sitzen stärker an exponierten Blattpartien.
  • Nährstoffmängel machen eher diffuse Aufhellungen oder gleichmäßige Chlorosen, aber keine sauberen Ringflecken.
  • Mechanische Schäden an Knollen sehen lokal und unregelmäßig aus, nicht schorfartig oder mit typischer Gewebestruktur.
  • Herbizidabdrift führt eher zu Verkrüppelung, Verformung und Blattkräuselung entlang von Feldrändern.
  • Trocknungs- und Lagerprobleme werden schnell als Krankheit interpretiert, obwohl die Ursache oft in Verletzung, Feuchte oder Belüftung liegt.

Gerade die Verwechslung von Sonnenschäden mit Krautfäule sehe ich in der Praxis häufig. Der Unterschied liegt nicht nur im Aussehen, sondern auch im Verlauf: Krautfäule reagiert auf Feuchte und macht oft weich-wässrige Flecken, Sonnenschäden bleiben eher trocken und ungleichmäßig verteilt. Wer diese Stolperfallen kennt, spart sich unnötige Behandlungen und kommt schneller zur eigentlichen Ursache.

Was ich bei Verdacht sofort mache

Sobald ein Bestand auffällig ist, arbeite ich nicht mehr nach Bauchgefühl, sondern nach einem festen Raster. Das verhindert, dass ich einen Einzelfleck überbewerte oder einen echten Ausbruch zu spät erkenne.

  1. Ich prüfe mehrere Pflanzen in verschiedenen Reihen und schaue dabei nicht nur auf die Oberseite, sondern auch auf die Blattunterseite und die Stängelbasis.
  2. Ich notiere Witterung, Standort und Verteilung: Randbereich oder Mitte, feucht oder trocken, nach Regen oder nach Hitze.
  3. Ich schneide Knollen auf, weil das Schnittbild bei Bakterienfäulen und Krautfäule oft mehr verrät als die Schale.
  4. Ich halte befallene Herde getrennt, damit ich keine nassen oder verletzten Knollen durch den Betrieb verschleppe.
  5. Ich passe den Pflanzenschutz an die Diagnose an: Bei Krautfäule und Alternaria zählen Timing, Prognose und Bestandeskontrollen; bei Bakterienfäulen zählt vor allem Hygiene und die schnelle Entfernung fauler Ware.
Bei Virussymptomen ist die Logik etwas anders: Hier geht es vor allem darum, die Quelle zu stoppen, also gesundes Pflanzgut, Blattlausdruck und Durchwuchskartoffeln im Blick zu behalten. Bei Schorf wiederum hilft keine direkte Bekämpfung im laufenden Bestand, deshalb ist die Vorbeugung deutlich wichtiger als jede Reaktion im Nachhinein. Genau dort setze ich im nächsten Schritt an.

Mit gutem Pflanzgut und sauberer Lagerführung senke ich das Risiko für die nächste Saison

Die wirksamsten Maßnahmen beginnen vor dem ersten sichtbaren Fleck. Zertifiziertes, gesundes Pflanzgut, eine passende Fruchtfolge und das Entfernen von Durchwuchskartoffeln sind bei Virus- und Bakterienproblemen meist wichtiger als jede spätere Korrektur. Dazu kommt die Sortenwahl: Weniger anfällige Sorten reduzieren den Druck deutlich, auch wenn sie keine absolute Sicherheit bieten.

Bei Schorf achte ich zusätzlich auf den Boden. Ein zu hoher pH-Wert, trockene Bedingungen im Zeitraum der Knollenbildung und ungleichmäßige Wasserversorgung erhöhen das Risiko. Wer in den ersten Wochen nach der Knollenbildung für verlässliche Feuchte sorgt, kann den Schorfdruck oft spürbar drücken. Bei Krautfäule hilft dagegen vor allem ein luftiger Bestand, rechtzeitige Kontrolle und ein Fungizidmanagement, das sich an Prognosen statt an Kalenderdaten orientiert.

Im Lager entscheidet dann die Disziplin: verletzungsarme Ernte, schnelles Abtrocknen, gute Belüftung, kühle und trockene Lagerung sowie konsequentes Aussortieren fauler Knollen. Das klingt unspektakulär, ist aber in der Summe der Unterschied zwischen einem handhabbaren Befall und einer verlorenen Partie.

Warum Blattunterseite und Schnittbild oft die bessere Diagnose liefern

Wenn ich Kartoffelkrankheiten sauber einordnen will, verlasse ich mich nie nur auf ein einzelnes Foto. Blattunterseite, Stängelbasis und Schnittbild der Knolle liefern oft die verlässlichere Diagnose als die Schale oder die obere Blattfläche allein. Genau dort zeigen sich Pilzrasen, Schwarzfärbungen, Wassersymptome, Gewebezerfall oder typische Ringstrukturen am deutlichsten.

Mein wichtigster Praxistipp ist deshalb simpel: Immer zuerst das Muster lesen, dann die Ursache suchen. Wer feucht oder trocken, scharf begrenzt oder fließend, mosaikartig oder faulig sauber unterscheidet, erkennt die meisten Kartoffelkrankheiten früh genug, um den Schaden im Pflanzenschutz klein zu halten. Und gerade bei Kartoffeln ist diese frühe Einordnung oft der eigentliche Ertragsschutz.

Häufig gestellte Fragen

Achten Sie auf wässrige, gelblich-grüne bis braune Flecken, oft mit fließendem Rand. Bei Feuchtigkeit kann ein weißer Pilzrasen an der Blattunterseite sichtbar sein. Der Übergang zwischen gesundem und krankem Gewebe ist fließend.

Die Dürrfleckenkrankheit zeigt trockene, scharf begrenzte braune Flecken mit konzentrischen Ringen, meist auf älteren Blättern. Krautfäule hat wässrige Flecken mit fließendem Rand und oft weißem Pilzrasen.

Typisch sind Mosaikmuster, Blattkräuselung, Vergilbung, Zwergwuchs oder strichartige Nekrosen. Die Pflanze bleibt oft schwach, Blätter rollen sich ein oder sind steif. Viren verursachen keine nassen, fauligen Flecken.

Kartoffelschorf zeigt sich ausschließlich an den Knollen durch braune, korkige, rissige Flecken auf der Schale. Es gibt keine Blattsymptome. Die Flecken können flach, warzig oder kraterförmig sein.

Prüfen Sie mehrere Pflanzen, auch Blattunterseite und Stängelbasis. Notieren Sie Witterung und Verteilung. Schneiden Sie Knollen auf. Halten Sie befallene Herde getrennt und passen Sie den Pflanzenschutz an die genaue Diagnose an.

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Autor Heinz-Joachim Brinkmann
Heinz-Joachim Brinkmann
Ich bin Heinz-Joachim Brinkmann und beschäftige mich seit über 15 Jahren intensiv mit den Themen moderne Landwirtschaft, Gartenbau und Direktvermarktung. In meiner Rolle als Branchenanalyst habe ich umfassende Marktanalysen durchgeführt und dabei wertvolle Einblicke in die aktuellen Trends und Herausforderungen der Branche gewonnen. Mein Fachwissen erstreckt sich über innovative Anbaumethoden, nachhaltige Landwirtschaftspraktiken und die Bedeutung der Direktvermarktung für lokale Produzenten. Ich lege großen Wert darauf, komplexe Daten verständlich zu machen und objektive Analysen zu liefern, die den Lesern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, eine vertrauenswürdige Informationsquelle zu schaffen, die aktuelle und präzise Inhalte bietet. Ich bin überzeugt, dass fundierte Informationen der Schlüssel zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Landwirtschaft sind, und ich setze mich dafür ein, diese Informationen für alle Interessierten zugänglich zu machen.

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