Die wichtigsten Punkte für die Feldpraxis
- In dicht gedrilltem Getreide ist der Zinkenstriegel meist das Standardwerkzeug; eine Hacke braucht in der Regel mehr Reihenweite und exakte Spurführung.
- Am besten funktioniert der Einsatz gegen kleine Unkräuter im Fädchen- bis Keimblattstadium.
- Die Bodenoberfläche sollte trocken, krümelig und tragfähig sein; nasse, steinige oder erosionsgefährdete Flächen sind heikel.
- Bei BBCH 11-12 kann flach und mit etwa 3-5 km/h gearbeitet werden, ab BBCH 13 wird das Getreide deutlich toleranter.
- Weite-Reihe-Systeme mit etwa 25 cm Reihenweite eröffnen mehr Optionen, verlangen aber mehr Planung und oft eine reduzierte Saatstärke.
- Bei hohem Unkrautdruck reicht eine einzelne Maßnahme oft nicht aus; Kombinationen sind meist robuster als reine Einmal-Lösungen.
Was Striegel und Hacke im Getreide wirklich leisten
In der deutschen Drillsaat ist das Feld meist so eng geschlossen, dass eine klassische Reihenhacke nur begrenzt Platz hat. Darum denke ich bei mechanischer Unkrautregulierung im Getreide zuerst an den Striegel und erst danach an die Hacke. Der Striegel wirkt flächig, reißt kleine Beikräuter aus oder verschüttet sie, die Hacke arbeitet dagegen gezielt zwischen den Reihen und braucht dafür mehr Raum und eine sehr saubere Führung.
Der Unterschied ist praktisch wichtig: Striegeln funktioniert auch in vielen Standardbeständen, Hacken ist eher ein System mit weiter Reihe, exakter Ablage und oft kameragesteuerter Führung. Wer beides verwechselt, erwartet zu viel vom falschen Werkzeug und wundert sich am Ende über Lücken im Bestand.
| Verfahren | Typischer Einsatz | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Striegeln | Enge Reihen, frühe Unkräuter, flächige Regulierung | Einfacher, schnell einsetzbar, auch in klassischen Getreideständen brauchbar | Wirkung sinkt bei größerem Unkraut, zu nassem Boden oder empfindlicher Kultur |
| Hacken | Weite Reihen, klare Spurführung, mechanische Zwischenreihenpflege | Stark gegen Unkraut zwischen den Reihen, auch in späteren Stadien einsetzbar | Nur mit passender Reihenweite und sauberer Technik wirklich überzeugend |
| Kombination | Systeme mit hohem Anspruch an Unkrautkontrolle | Robuster als Einzelmaßnahmen, besonders bei wechselndem Druck | Mehr Planung, mehr Überfahrten, mehr Technikdisziplin |
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bringt es aus meiner Sicht auf den Punkt: Der Striegel arbeitet am besten, wenn die Beikräuter noch sehr jung sind. Genau dort liegt die Schwelle, an der mechanische Regulierung im Getreide entweder sauber funktioniert oder später deutlich an Wirkung verliert. Deshalb entscheidet nicht nur das Werkzeug, sondern vor allem das Timing. Und damit sind wir beim eigentlichen Kern der Praxis: dem richtigen Eingriffsfenster.
Der richtige Zeitpunkt entscheidet über Erfolg oder Misserfolg
Ich plane mechanische Unkrautregulierung nie als spontane Feldentscheidung. Das passende Fenster beginnt meist schon vor der Saat und endet nicht erst mit dem letzten Striegelgang. Wer die Entwicklung des Bestandes nicht sauber liest, fährt zu früh, zu spät oder einfach zu aggressiv.
Vor der Saat
Wenn hoher Ungrasdruck zu erwarten ist, kann eine Scheinbestellung viel bewirken. Dabei wird der Boden etwa 3 bis 4 Wochen vor der eigentlichen Aussaat vorbereitet, damit auflaufende Unkrautwellen noch vor dem Getreide abgefangen werden. Das ist kein Zaubertrick, aber oft die günstigste Form der Vorarbeit. Je sauberer das Saatbett ist, desto weniger muss der Bestand später ausbaden.
Nach dem Auflaufen
Im Auflaufstadium ist Vorsicht angesagt. Ab BBCH 11-12 ist flaches Striegeln mit geringer Geschwindigkeit von etwa 3-5 km/h möglich, ab BBCH 13 steigt die Verträglichkeit des Getreides deutlich. BBCH ist dabei einfach die Entwicklungs-Skala der Pflanzen. Sie hilft, den Eingriff nicht nach Gefühl, sondern nach Zustand zu steuern.
Wichtig ist für mich immer: Die Unkräuter müssen noch klein sein. Je eher ich sie im Fädchen- oder Keimblattstadium erwische, desto höher ist die Wirkung. Gleichzeitig muss die Bodenoberfläche abgetrocknet und schüttfähig sein. Auf schmierigen Böden arbeitet der Striegel ungleichmäßig, und die Kultur nimmt unnötig Schaden.
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Beim Hacken
Beim Hacken gilt noch stärker als beim Striegeln: So flach wie möglich, so tief wie nötig. In der Praxis sind 2 bis 3 cm Arbeitstiefe ein guter Orientierungswert. Tieferes Arbeiten bringt selten mehr Wirkung, erhöht aber das Risiko für Kulturverletzungen, Wasserverlust und unnötige Bodenbewegung. Ist nach dem Einsatz Regen gemeldet, kann ausgerissenes Unkraut zudem wieder anwachsen. Dann war der Aufwand groß und der Effekt zu kurzlebig.
Wenn ich einen Satz daraus machen müsste, dann diesen: Mechanisch funktioniert im Getreide vor allem, was früh, flach und bei passenden Bedingungen fährt. Und genau daraus ergibt sich die Frage, wie viel Raum die Kultur überhaupt lassen muss, damit eine Hacke sinnvoll wird.

Warum die Reihenweite über die Hacke entscheidet
Die Hacke braucht Platz. In der klassischen Drillsaat mit engen Reihen ist sie im Getreide deshalb nur eingeschränkt sinnvoll. In weiten Reihen verschiebt sich das Bild: Dann wird aus der reinen Bestandespflege ein ganzes Anbausystem mit mehr Luft zwischen den Pflanzen, gezielter mechanischer Regulierung und oft auch Untersaaten.
In der Praxis sehe ich bei solchen Systemen meist Reihenweiten von etwa 25 cm oder mehr. Dazu kommt häufig eine reduzierte Saatstärke, damit der Bestand nicht zu dicht wird. Bei weiter Reihe werden nicht selten nur 70 bis 90 Prozent der üblichen Saatstärke angesetzt. Das ist kein Selbstzweck, sondern soll dem Bestand genug Licht, Luft und Raum geben, damit er nach einer mechanischen Maßnahme wieder schnell schließt.
Ein aktuelles Weite-Reihe-Projekt im süddeutschen Raum arbeitet genau mit diesem Ansatz: 25 cm Reihenweite, reduzierte Saatdichte und Untersaaten. Das zeigt, wohin die Entwicklung geht. Die Hacke ist dann nicht mehr nur ein Einzelgerät, sondern Teil eines Systems aus Saattechnik, Reihenführung, Nachsaat und Bodenbedeckung.
- Die Arbeitsbreite von Sämaschine und Hacktechnik muss zusammenpassen.
- Kamerasysteme oder präzise Führungen helfen, die Reihen sauber zu treffen.
- In-Row-Elemente wie Fingerräder verbessern die Wirkung dort, wo die reine Zwischenreihenhacke nicht reicht.
- Untersaaten können den Druck auf späte Unkräuter zusätzlich senken.
Wo die Methode an Grenzen stößt
Mechanische Regulierung ist kein Freifahrtschein. In den ISIP-Versuchen der Jahre 2018 bis 2021 war die chemische Variante im Winterweizen und in der Wintergerste in allen Fällen überlegen. Im Winterweizen lag die rein mechanische Variante bei starkem Besatz um etwa 14 bis 17 dt/ha hinter der chemischen, die Kombination aus mechanisch und chemisch war mit rund 4 dt/ha Abstand deutlich näher dran. Für mich ist das kein Argument gegen Mechanik, sondern ein nüchterner Hinweis auf ihre Grenzen.Besonders schwierig wird es bei hohem Druck von konkurrenzstarken Ungräsern und Wurzelunkräutern. Auch Windhalm oder Ackerfuchsschwanz lassen sich mechanisch nicht einfach "wegfahren". Wenn die Fläche schon stark verunkrautet ist, kommt der Striegel schnell an seine Grenze. Bei moderatem Besatz sind akzeptable Ergebnisse möglich, aber die Ausgangslage muss stimmen.
- Extrem hoher Unkrautbesatz reduziert die Wirkung deutlich.
- Steinige, erosionsgefährdete oder sehr nasse Böden sind problematisch.
- Regen kurz nach dem Einsatz kann den Erfolg wieder abschwächen.
- Je stärker die Kultur schon unter Stress steht, desto vorsichtiger muss ich arbeiten.
- Mehr Überfahrten bedeuten nicht automatisch mehr Wirkung, sondern oft nur mehr Risiko.
Damit ist die Technikfrage noch nicht erledigt, denn selbst ein gutes Verfahren scheitert oft an ganz banalen Fehlern im Arbeitsalltag.
Typische Fehler, die ich in der Praxis vermeide
Die meisten Fehlschläge entstehen nicht wegen der Methode, sondern wegen der Einstellung. Genau dort wird aus einer guten Idee schnell eine teure Überfahrt.
- Zu spät anfangen, wenn die Unkräuter bereits zu groß sind.
- Auf zu feuchtem, schmierigen Boden arbeiten.
- Den Striegel zu aggressiv einstellen und den Bestand unnötig schwächen.
- Beim Hacken die Reihen nicht exakt führen oder Sä- und Hacktechnik nicht sauber aufeinander abstimmen.
- Wetter und Bodenreaktion ignorieren, obwohl schon beim Rausfahren klar ist, dass es knapp wird.
Ich rechne bei Striegeldurchgängen immer mit einem gewissen Kulturverlust. 1 bis 5 Prozent Verlust pro Gang sind nicht ungewöhnlich. Wenn es deutlich mehr wird, ist die Einstellung falsch oder der Zeitpunkt ungeeignet. Gerade deshalb lohnt sich das Nachjustieren vor Ort mehr als jede pauschale Empfehlung vom Schreibtisch aus.
Was ich 2026 als robuste Strategie empfehlen würde
Wenn ich mechanische Unkrautregulierung im Getreide 2026 sauber aufziehen soll, würde ich sie nie als Einzelmaßnahme denken. Ich würde immer mit Vorbeugung beginnen: passende Fruchtfolge, sauberes Saatbett, vernünftiger Saattermin, standfeste Sorte und kein überzogenes Stickstoffniveau. Danach kommt die Mechanik, und zwar im passenden Fenster. Im Standardbestand ist das meist der Striegel, im Weite-Reihe-System die Hacke.
Mein pragmatischer Maßstab ist einfach: Dort, wo die Fläche, die Technik und der Witterungsverlauf zusammenpassen, ist mechanische Unkrautregulierung im Getreide ein starkes Werkzeug. Dort, wo der Druck zu hoch oder der Standort zu schwierig ist, sollte man nicht dogmatisch werden. Dann ist die Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen, mechanischer Pflege und gegebenenfalls ergänzenden Verfahren die bessere Lösung. Genau so bleibt der Ackerbau flexibel, belastbar und in der Praxis wirklich arbeitsfähig.
