Wenn mehrere Geschwister mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden sind, reicht ein gewöhnliches Testament oft nicht aus. Entscheidend ist zunächst, ob die Höfeordnung oder das allgemeine Erbrecht gilt, danach geht es um Abfindung, Pflichtteil, Bewertung und Steuern. Ich zeige, worauf Familien bei Hofübergabe und Erbfall praktisch achten sollten.
Die wichtigsten Punkte für eine geregelte Hofnachfolge
- Rechtsgebiet klären entscheidet, ob der Hof an einen Hoferben fällt oder eine Erbengemeinschaft entsteht.
- Die Höfeordnung gilt grundsätzlich nur in Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
- Geschwister des Verstorbenen sind nicht pflichtteilsberechtigt, können aber unter bestimmten Voraussetzungen gesetzliche Erben sein.
- Nach der Höfeordnung beträgt der Hofeswert grundsätzlich 60 Prozent des Grundsteuerwerts.
- Geschwister gehören erbschaftsteuerlich zur Steuerklasse II und haben regelmäßig nur einen Freibetrag von 20.000 Euro.

Das zuerst geklärt werden muss
Beim Erbrecht für landwirtschaftliche Betriebe unter Geschwistern werden zwei Situationen häufig verwechselt. Gemeint sein können die Geschwister des Verstorbenen oder mehrere Kinder des Verstorbenen, die als Geschwister gemeinsam einen Hof erben sollen. Rechtlich macht dieser Unterschied sehr viel aus.
Allgemeines Erbrecht oder Höfeordnung
Die Höfeordnung gilt für bestimmte land- und forstwirtschaftliche Besitzungen in Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Zusätzlich muss der Betrieb die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und grundsätzlich einen Grundsteuerwert von mindestens 54.000 Euro haben. Bei einem Grundsteuerwert zwischen 27.000 und 54.000 Euro kann ein Hofvermerk im Grundbuch entscheidend sein.
In den übrigen Bundesländern gilt meist das allgemeine Erbrecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Je nach Region können jedoch weitere landesrechtliche Anerbenregelungen eine Rolle spielen. Ich würde deshalb nie allein anhand des Standorts entscheiden, sondern zuerst den Grundbuchauszug, den Hofvermerk und frühere Übergabeverträge prüfen.
| Situation | Typische Folge |
|---|---|
| Hof im Anwendungsbereich der Höfeordnung | Der Betrieb fällt grundsätzlich an einen Hoferben, andere Miterben erhalten eine Geldabfindung. |
| Landwirtschaftlicher Betrieb ohne Höfeordnung | Mehrere Erben bilden meist eine Erbengemeinschaft am gesamten Nachlass. |
| Testament oder Erbvertrag | Die gesetzliche Erbfolge kann weitgehend verändert werden, Pflichtteilsrechte bleiben aber bestehen. |
Die wichtigste praktische Folge lautet daher: Ein Hof wird nicht automatisch nach seinem Verkehrswert unter allen Kindern aufgeteilt. Das kann bei einem Betrieb nach Höfeordnung zu einer deutlich niedrigeren Abfindung führen als bei einer normalen Immobilie.
Was Geschwister tatsächlich erben
Sind mehrere Kinder des Erblassers vorhanden, erben sie nach dem allgemeinen Recht grundsätzlich zu gleichen Teilen, sofern kein Testament oder Erbvertrag etwas anderes bestimmt. Gibt es zusätzlich einen Ehegatten, verändern sich die Quoten. Der landwirtschaftliche Betrieb gehört dann zunächst zum gemeinschaftlichen Nachlass, sofern keine Sonderregelung wie die Höfeordnung eingreift.
Geschwister als Kinder des Erblassers
Hinterlässt eine Landwirtin zwei Kinder und kein wirksames Testament, können beide Kinder Miterben werden. Das bedeutet aber nicht, dass jedem automatisch die Hälfte eines bestimmten Ackers oder Stalls gehört. Die Geschwister bilden eine Erbengemeinschaft und müssen den Nachlass gemeinsam verwalten.
Eine solche Gemeinschaft kann schnell unpraktisch werden. Für den Verkauf eines Grundstücks, eine größere Investition oder eine langfristige Verpachtung ist regelmäßig die Mitwirkung aller erforderlich. Jeder Miterbe kann grundsätzlich die Auseinandersetzung des Nachlasses verlangen. Genau hier entstehen viele Konflikte, wenn eine Schwester den Hof weiterführen möchte und der Bruder eine Auszahlung oder einen Verkauf bevorzugt.
Geschwister des Verstorbenen
Die Geschwister des Erblassers gehören zur zweiten gesetzlichen Erbordnung. Sie kommen vor allem dann zum Zug, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind und die gesetzliche Erbfolge nicht durch einen Ehegatten oder andere vorrangige Erben verdrängt wird.
Ein verbreiteter Irrtum ist der gesetzliche Pflichtteil für Geschwister. Geschwister sind nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch grundsätzlich nicht pflichtteilsberechtigt. Pflichtteilsrechte haben insbesondere Abkömmlinge, Ehegatten und unter bestimmten Voraussetzungen Eltern. Wer als Bruder oder Schwester enterbt wurde, kann daher nicht allein wegen der Verwandtschaft einen Pflichtteil verlangen.
Die Besonderheit bei einem Hof nach Höfeordnung
Gilt die Höfeordnung, fällt der Hof als wirtschaftliche Einheit grundsätzlich nur einem Hoferben zu. Die übrigen Miterben erhalten anstelle eines Miteigentums eine Abfindung in Geld. Das soll verhindern, dass ein Betrieb durch die Erbteilung zerschlagen wird.
Der Hoferbe ist dabei nicht völlig frei wählbar. Die Bewirtschaftung, die Eignung zur Betriebsführung, ein Testament und die gesetzliche Hoferbenordnung können entscheidend sein. Auch ein Übergabevertrag zu Lebzeiten kann festlegen, wer den Betrieb übernimmt und welche Leistungen an die weichenden Erben fließen.
So wird die Abfindung des weichenden Erben berechnet
Bei einem Hof nach Höfeordnung ist der entscheidende Wert nicht automatisch der freie Marktpreis. Nach § 12 HöfeO gilt grundsätzlich ein Hofeswert von 60 Prozent des zuletzt festgestellten Grundsteuerwerts des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs. Besondere Umstände können Zuschläge oder Abschläge rechtfertigen.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, der maßgebliche Grundsteuerwert beträgt 300.000 Euro. Der Hofeswert läge dann zunächst bei 180.000 Euro. Hinterlässt der Eigentümer zwei gleichberechtigte Kinder und übernimmt eines davon den Hof, würde das andere Kind bei einer überschlägigen Betrachtung 90.000 Euro erhalten, sofern keine Schulden, weiteren Nachlasswerte oder abweichenden Regelungen zu berücksichtigen sind.
Das Beispiel ist nur eine Orientierung. Ehepartner, Nachlassverbindlichkeiten, frühere Abfindungen und weitere Vermögenswerte können die tatsächliche Zahlung deutlich verändern. Außerdem muss geprüft werden, ob der festgestellte Grundsteuerwert die wirtschaftlichen Verhältnisse des Betriebs angemessen abbildet.
Stundung und Nachabfindung
Kann der Hoferbe die Abfindung nicht sofort bezahlen, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Stundung möglich sein. Das schützt die Liquidität des Betriebs, bedeutet für den weichenden Erben aber, dass Zinsen, Sicherheiten und ein klarer Zahlungsplan geregelt werden sollten.
Eine oft übersehene Regel betrifft die spätere Veräußerung. Wird der Hof oder ein wesentlicher Teil davon innerhalb von 20 Jahren nach dem Erbfall verkauft oder einer anderen Nutzung zugeführt, können Nachabfindungsansprüche der weichenden Erben entstehen. Wer den Hof übernimmt und kurze Zeit später Bauland verkauft, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass die ursprüngliche Abfindung endgültig jede weitere Beteiligung ausschließt.
Außerhalb der Höfeordnung kann bei einem Landgut unter bestimmten Voraussetzungen der Ertragswert für die Pflichtteilsberechnung maßgeblich sein. Das ist jedoch keine automatische Sonderregel für jede Landwirtschaft und setzt unter anderem eine entsprechende Übernahmeregelung sowie einen pflichtteilsberechtigten Erben voraus.
Welche Steuern und Fristen die Entscheidung beeinflussen
Eine faire Lösung muss nicht nur erbrechtlich, sondern auch steuerlich funktionieren. Besonders bei Geschwistern wird die Erbschaftsteuer schnell unterschätzt, weil sie gegenüber Kindern einen wesentlich kleineren persönlichen Freibetrag haben.
| Erwerber | Steuerklasse | Persönlicher Freibetrag |
|---|---|---|
| Ehegatte | I | 500.000 Euro |
| Kind | I | 400.000 Euro |
| Geschwister | II | 20.000 Euro |
Geschwister fallen in die Steuerklasse II. Die Steuersätze reichen dort je nach Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs von 15 bis 43 Prozent. Der Freibetrag von 20.000 Euro wird innerhalb von zehn Jahren zwischen denselben Personen berücksichtigt, sodass frühere Schenkungen in die Planung einbezogen werden müssen.
Begünstigung für landwirtschaftliches Betriebsvermögen
Für begünstigtes Betriebsvermögen sowie bestimmte Betriebe der Land- und Forstwirtschaft kann eine 85-prozentige Verschonung greifen. Unter strengeren Voraussetzungen ist auch eine vollständige Steuerbefreiung möglich. Das gilt aber nicht pauschal für jedes Grundstück, jede verpachtete Fläche oder jedes Wohngebäude.
Die Steuervergünstigung ist an Bedingungen geknüpft. Dazu gehören insbesondere Behaltensfristen, die Fortführung des Betriebs und bei größeren Betrieben Anforderungen an die Lohnsumme. Wird der Betrieb zu früh verkauft oder dauerhaft anders genutzt, kann die Steuerbefreiung rückwirkend teilweise entfallen.
Die Erbschaftsteuer ist außerdem von anderen Steuerarten zu trennen. Der Erwerb eines Grundstücks von Todes wegen ist grundsätzlich von der Grunderwerbsteuer ausgenommen. Bei späteren Übertragungen, Abfindungsvereinbarungen oder Verkäufen können jedoch andere steuerliche Folgen entstehen. Deshalb sollten Notar und Steuerberater dieselbe Gestaltung frühzeitig gemeinsam prüfen.
So verhindert man Streit bei Hofübergabe und Erbfall
Die meisten Konflikte beginnen nicht mit dem Erbfall, sondern Jahre vorher. In Familien wird oft davon ausgegangen, dass ohnehin alle wissen, wer den Hof übernimmt. Eine solche mündliche Erwartung ersetzt aber keinen notariellen Übergabevertrag und schützt weder den Betrieb noch die Geschwister.
Was in einen guten Übergabevertrag gehört
- Wer den Betrieb und welche Grundstücke übernimmt
- Welche Wohnrechte, Altenteilsleistungen oder Pflegepflichten bestehen
- Wie frühere Unterstützungen und Abfindungen angerechnet werden
- Ob Geschwister einen Pflichtteils- oder Erbverzicht erklären
- Welche Rückforderungsrechte bei Verkauf oder Betriebsaufgabe gelten
- Wie Maschinen, Tierbestände, Direktvermarktung und Nebenbetriebe behandelt werden
Gerade der letzte Punkt wird häufig vergessen. Ein Hof besteht nicht nur aus Land und Gebäuden, sondern auch aus Maschinen, Tieren, Vorräten, Marken, Hofladen, Mietobjekten und Betriebsverbindlichkeiten. Eine unklare Aufstellung führt später zu Diskussionen darüber, welche Werte überhaupt in die Abfindung einfließen.
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Eine praktikable Vorgehensweise für Geschwister
- Rechtsstatus prüfen, insbesondere Hofvermerk, Grundbuch und Bundesland.
- Nachlass vollständig erfassen, einschließlich Darlehen, Pachtverträgen und privaten Vermögenswerten.
- Bewertung getrennt betrachten, also Verkehrswert, Grundsteuerwert, Hofeswert und Ertragswert nicht vermischen.
- Finanzierung der Abfindung vor der Unterzeichnung realistisch durchrechnen.
- Steuerliche Folgen für Hoferben und weichende Erben getrennt berechnen.
- Notarielle Vereinbarung mit klaren Zahlungs-, Sicherungs- und Rückforderungsregeln abschließen.
Ich halte es für besonders wichtig, nicht nur über Geld zu sprechen. Ein Geschwisterteil übernimmt häufig Arbeitsrisiko, Kredite und die Verantwortung für den Fortbestand, während die anderen auf eine liquide Auszahlung angewiesen sind. Eine Lösung ist deshalb nur dann tragfähig, wenn sie sowohl den wirtschaftlichen Wert als auch die tatsächlichen Belastungen des Hoferben berücksichtigt.
Eine faire Hofnachfolge beginnt lange vor dem Erbfall
Für Familienbetriebe gibt es keine pauschale Antwort auf die Frage, ob Geschwister den Hof gemeinsam erben oder ein Kind allein übernehmen sollte. Entscheidend sind die anwendbare Rechtsordnung, der Status des Betriebs, die Familienkonstellation, die Finanzierung und die steuerliche Bewertung.
Mein praktischer Rat lautet, die Nachfolge nicht erst bei Krankheit oder nach dem Todesfall zu regeln. Wer Hofvermerk, Testament, Übergabevertrag, Abfindung und Steuerberechnung frühzeitig aufeinander abstimmt, schafft deutlich bessere Voraussetzungen für den Betrieb und für den Familienfrieden.
Bei größeren Höfen, mehreren Immobilien, Baulandpotenzial oder bereits erfolgten Schenkungen sollte die Gestaltung individuell durch einen im Landwirtschaftsrecht erfahrenen Notar, Rechtsanwalt und Steuerberater geprüft werden. Dieser Überblick ersetzt keine Einzelfallberatung, hilft aber dabei, die richtigen Unterlagen zusammenzustellen und die entscheidenden Fragen rechtzeitig zu stellen.
